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Hotel Adlon KempinskiDas Hotel Adlon am Pariser Platz in Berlin Mitte hat sich auf Reinkarnationen spezialisiert. 1907 erblickt es zum ersten Mal das Licht der Welt. Es glänz und glitzert sowohl für den blaublütigen Adel als auch für den Geldadel. 1945 brennt das Hotel aus. Doch in einem nicht ganz zerstörten Seitenflügel wird dem Haus als HO-Hotel ein zweites Leben eingehaucht. Nach vierzig Jahren wird es abgerissen, um 1997 als Kempinski-Hotel wiedergeboren zu werden.     

Hotel Adlon Kempinski



Hotel Adlon KempinskiWir fahren an einem Feiertag mittags mit dem Taxi im Hotel Adlon vor. Auf dem Pariser Platz scheint eine Völkerwanderung vorbeizumarschieren. Trotzdem steht gleich ein Wagenmeister beim Taxi und öffnet uns die Tür. Um das Gepäck müssen wir uns nicht kümmern. Ein Teil der Völkerwanderung scheint einen Umweg via Adlon-Lobby zu machen. Wir werden an der Reception freundlich begrüsst.

Hotel Adlon KempinskiDas Zimmer ist noch nicht bereit. Wir werden auf unser Mobile angerufen, sobald es soweit ist. Ein toller Service. In der Lobby geht es wie auf einem Jahrmarkt zu. Die Platzverhältnisse sind hier und auch vor der Reception sehr eng. Eine Grandhotel-Stimmung herrscht hier nicht. Der einzige ruhige Ort scheint das Fumoir zu sein.

Hotel Adlon Kempinski, Lobby Lounge & Bar



Hotel Adlon KempinskiWir werden von einem weiblichen Hotelpagen auf das Zimmer begleitet. Viele Informationen erhalten wir von ihr nicht. Sie scheint neu zu sein und nicht professionell eingearbeitet. Unser Gepäck wartet schon im Zimmer. Allerdings stehen die Koffer am Boden statt auf einem Gepäckständer zu liegen.

Hotel Adlon KempinskiDas Zimmer wirkt edel, aber perfekt ist es nicht. Um die Technik zu verstehen, müsste man hier länger wohnen. Dies gilt auch für die vielen Lichtschalter. Die Kombination von Teppich und Parkett ist gelungen. Das Bad mit separater Dusche und WC, zwei Lavabos und Jacuzzi-Wanne lässt bis auf ein fehlendes Bidet keine Wünsche offen. Wir haben bei unserem Aufenthalt mehrmals telefonischen Kontakt mit dem Housekeeper. Dieser Service ist sehr freundlich und gut organisiert.

Hotel Adlon Kempinski, Juniorsuite



Hotel Adlon KempinskiNachdem wir fertig eingecheckt haben, besuchen wir am Nachmittag die Lobby Lounge & Bar. Es ist in dem grossen Hotel Adlon der einzige Ort, um zu verweilen. Die Wintergärten werden nur für Anlässe genutzt. Es gibt in der Halle der Lounge vorgelagert ein Sofa und zwei Sessel zum allgemeinen Gebrauch. Und dies bei fast vierhundert Zimmern! Nun denn, wir wollen ja etwas trinken. In der Halle herrscht immer noch Jahrmarktstimmung wie bei unserer Ankunft. Exakt zwei Barsessel sind noch frei. Zu denen boxen wir uns durch.Der Champagner aus dem Hause Moët & Chandon perlt durch unsere Kehlen. Wir beobachten die Touristen, die hier einen Kaffee trinken und fotografieren. Am Eingang vor dem Haus steht eigentlich eine Tafel: Heute nur für Hotelgäste. Hat man den Eingang passiert, steht eine weitere Tafel: Bitte nicht fotografieren. So beichten wir an dieser Stelle: Wir haben eine Sünde begangen, wir haben auch fotografiert.

Hotel Adlon KempinskiDas Problem des Hotel Adlon besteht darin, dass es in Deutschland viel zu bekannt ist. Es gibt Romane, Spielfilme und neuerdings einen TV-Film zu einem Haus, das es eigentlich seit 1945 gar nicht mehr gibt. Das neue Adlon hat ausser dem Standort vor dem Brandenburger Tor keine Gemeinsamkeiten mit dem alten. Trotzdem steht das Hotel Adlon Kempinski in jedem Reiseführer als Sehenswürdigkeit. Und da jeder Berlin-Besucher das Brandenburger Tor sehen will, steht er automatisch auch vor dem Adlon. Wie bereits zu Beginn geschrieben, herrscht in dieser Halle Jahrmarkt- und nicht Grandhotel-Stimmung. Wäre Berlin London, könnte die Geschäftsleitung das Ritz-Modell übernehmen: Nur mit Krawatte und Veston, keine Jeans. Denn dort zieht der Afternoon-Tea täglich Hundertschaften ins Haus, doch wegen der Kleiderordnung herrscht trotzdem Grandhotel-Stimmung.

Hotel Adlon Kempinski


Hotel Adlon KempinskiAm Abend finden wir Platz auf einem Sofa. Die bestellten Martinis (EUR 16.-) kommen trocken, aber nicht kalt auf den Tisch. Kein Wunder, wir sehen sie fünf Minuten auf der Theke stehen, bevor sie serviert werden. Dazu wird eine Nussmischung und Popkorn gereicht. Auf Servietten muss man hier verzichten. Zu dieser Zeit spielt auf der Bel Etage ein Pianist.

Hotel Adlon KempinskiAm nächsten Abend trinken wir unseren Martini in der Lobby neben dem Elefantenbrunnen, einer Hommage an das alte Adlon. Der Kellner erkennt uns gleich wieder und verspricht, heute zwei kalte Cocktails. Dass er uns bei der Menge Menschen, die hier jeden Tag verkehren, erkennt und sich an den zu wenig kalten Cocktail erinnern kann, beeindruckt uns. Wir erhalten einen trockenen und kalten Martini.

Hotel Adlon Kempinski



Hotel Adlon KempinskiDas Restaurant Quarré liegt im Parterre in der Ecke mit Aussicht auf das Brandenburger Tor. Es verfügt über zwei Ebenen. Unten stehen die Tische auf einem Steinboden direkt an den Fenstern zur Strasse. Einen halben Stock höher liegt Teppich auf dem Boden. Hier haben wir einen Tisch reserviert. Das Design ist klassisch und es wird weiss aufgetischt. Dieses Restaurant bietet französische Küche im Brasserie-Stil. Das Gourmet-Restaurant mit zwei Michelin-Sternen befindet sich in der Bel Etage.

Hotel Adlon KempinskiWir werden von einem sehr jungen Chefkellner bedient. Als Vorspeise wählen wir pochiertes Ei mit Spinat und Kartoffeln, das uns sehr mundet. Obwohl wir eine Flasche Bordeaux trinken und somit Zeit mitgebracht haben, wird uns schon schnell der Hauptgang serviert: Pesto-Tagliatelle mit Pilzen. Leider kommt dieses Gericht völlig trocken und lieblos auf den Tisch. Wir bitten um Olivenöl, damit wir die Teigwaren nicht gar zu trocken verschlingen müssen. Schade. Ebenfalls eine herbe Enttäuschung ist das Tiramisu für 17 Euro. Es ist völlig ausgetrocknet. Im Hintergrund wird eine völlig unpassende Musik abgespielt. Ich muss Tisch und Stuhl verschieben, um nicht vom Decken-Scheinwerfer angestrahlt und geblendet zu werden. Unser Fazit: Ein paar Schritte spazieren und in der Brasserie des Ritz-Carlton am Potsdamer Platz essen.   

Hotel Adlon Kempinski, Restaurant Quarré




Pariser PlatzDas alte wie das neue Adlon stehen auf einem Grundstück, dessen Bebauung auf die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückreichen. 1798 kauft Graf Wilhelm Jacob von Redern die Immobilie und lässt sie durch Karl Friedrich Schinkel umbauen und um ein Stockwerk erhöhen. In den folgenden Jahren wird dieses Palais Redern zu einem gesellschaftlichen Mittelpunkt in Berlin. Nachdem Graf Redern stirbt, wird das Gebäude 1891 an eine Kunsthandlung vermietet.

Palais Redern



Wilhelm II. und Eduard VII., 1904Der grosse Hotelier César Ritz fand im Prince of Wales, dem späteren König Eduard VII, einen grossen Förderer und Freund. Eduard VII war der Onkel des deutschen Kaiser Wilhelm II. Wie weit der Neffe seinem Onkel nacheifern wollte, als er sich ein luxuriöses Grandhotel am Pariser Platz wünschte, ist Spekulation. Das Weltbild des Kaisers war geprägt vom Militarismus, der König galt als Bonvivant. Tatsächlich findet der Hotelier Lorenz Adlon in Wilhelm II. ebenfalls einen grossen Förderer und Freund. Ohne den Kaiser hätte es dieses Adlon nie gegeben.

Wilhelm II., 1904 auf der Yacht Hohenzollern Denn das Palais Redern stand nicht nur unter Denkmalschutz, sondern auch unter einem  Familienfideikommiss.Dies bedeutete, dass das Palais weder abgerissen noch verkauft werden durfte. Nur durch das Machtwort des Kaisers konnte Lorenz Adlon die Immobilie erwerben und abreissen lassen, was übrigens zu heftigen Protesten in der Berliner Bevölkerung führte.

Hotel AdlonAuch betreffend der Kosten war Adlon auf die aktive Unterstützung des Kaisers angewiesen. Denn einem Eigenkapital von 2 Mio. Mark standen Baukosten von sagenhaften 17 Mio. Mark gegenüber, die nur durch die Vermittlung des Kaisers aufgebracht werden konnten.

Hotel Adlon, American Bar



Lorenz Adlon (1849-1921)Lorenz Adlon (1849-1921) stammt aus Mainz. Hier absolviert er eine Tischlerlehre. Während des Deutsch-Französischen Krieges kommt er in Frankreich in Kontakt mit der Gastronomie. Ab 1871 betreibt Adlon in Mainz nicht nur das Ausflugslokal „Raimundigarten“, sondern er zeichnet sich auch für die Restauration von Grossanlässen verantwortlich. So kann er an der Weltausstellung in Amsterdam 1883 das Hauptrestaurant betreiben. Danach führt sein Weg nach Berlin. Hier kann er das renommierte „Restaurant Hiller“ Unter den Linden übernehmen und einen Wein-Grosshandel aufziehen. Weiter pachtet er das Hotel Continental und die Zooterrassen im Zoologischen Garten. In dieser Zeit lernt er Kaiser Wilhelm II. kennen, der in seinen Lokalen als Gast anzutreffen ist. Dies eröffnet ihm die Möglichkeit, dem Kaiser von seinem Projekt eines luxuriösen Grandhotels zu erzählen. Der Grundstein für das Hotel Adlon ist gelegt.

Eingang zur Weltausstellung in Amsterdam, 1883



Palais Redern, im Hintergrund die Brandmauer des vierstöckigen Hotel Reichshof, 1904 1905 ist es so weit. Lorenz Adlon erwirbt das Palais Redern. Das Grundstück erweist sich für sein Hotelprojekt als zu klein. Doch das Nachbar-Grundstück Unter den Linden Ecke Wilhelmstrasse wird ihm von der Hotelbetriebs AG vor der Nase weggeschnappt. Diese befürchtet von dem neuen Grandhotel Nachteile für ihr Hotel Bristol, das in der Nähe steht.

Hotel Reichshof, in der Mitte die Britische Botschaft, rechts das Haus Unter den Linden Nr.2, 1904So bleibt Adlon nichts anderes übrig, als sich mit der relativ schmalen Front zum Pariser Platz zu begnügen und sein Hotel in die Tiefe zu bauen. Denn dort, an der Wilhelmstrasse 70a neben der britischen Botschaft, kann er das 1895 eröffnete Hotel Reichshof kaufen. Der Reichshof erstellte 1904 einen Vierstöckigen Neubau, der in das neue Hotel Adlon integriert wird. Nur das Souterrain dient als Laden für die Wein-Grosshandlung.

Lorenz Adlon Wein-Grosshandlung im ehemaligen Hotel Reichshof, rechts die Britische Botschaft



Robert Leibnitz (1863-1929)Als Architekten für das Hauptgebäude werden Carl Gause (1851-1907) und Robert Leibnitz (1863-1929) verpflichtet. Gause erstellte bereits das Hotel Bristol. Das Hotel Carlton plant er dann bereits zusammen mit seinem Teilhaber Robert Leibnitz. Die Hauptverantwortung für das Hotel Adlon fällt erzwungenermassen Leibnitz zu, da Gause vor Fertigstellung dieses Auftrages stirbt. Zu Leibnitz Hauptarbeiten gehören evangelisch-reformierte Kirchenbauten.

Hotel AdlonDies kommt ihm jetzt bei der Fassadengestaltung zum Pariser Platz zugute. Denn bei diesem historisch bedeutendem Platz wünscht sich der Berliner Bürger, der immer noch über den Abriss des Palais Redern aufgebracht ist, eine zurückhaltende Architektur. So fügt sich das fünfgeschossige Gebäude relativ elegant in das Strassen- und Platz-Ensemble ein.

Hotel Adlon, BadezimmerGanz anders im Innern. Hier wünscht sich der Bauherr, der ja im katholischen Mainz aufgewachsen ist, eine verschwenderische Innenausstattung, wie sie auch vielen katholischen Kirchen eigen ist. Dies führt dazu, dass sich die Bau- und Ausstattungskosten bei 17 Mio. Mark einpendeln, was das Fünffache des damals üblichen darstellt. Die teuersten Zimmer und Suiten befinden sich an der Front zum Pariser Platz. Die restlichen Zimmer gruppieren sich um verschiedene Innenhöfe, wobei der Goethe Garten am attraktivsten gestaltet ist.

Hotel Adlon, Speisesaal



Wilhelm II. im Hotel Adlon am 23.10.1907Der fertige Bau bietet 325 Gästezimmer und 140 Badezimmer. Mit allem denkbaren Luxus ausgestattet sind auch die öffentlichen Räumlichkeiten: Grosse Empfangshalle, Palmengarten, Marmorsaal-Restaurant, Schreibsaal, Speisesaal, American Bar, Goethe-Garten. Am 24. Oktober 1907 kann das Hotel Adlon eröffnet werden. Einen Tag vorher hat bereits Wilhelm II. mit seiner Entourage das Haus besichtigt.

Hotel Adlon, RestaurantLorenz Adlon hat wohl nicht nur über einen erfolgreichen Geschäftssinn verfügt, sondern auch über ein grosses Selbstbewusstsein. Denn sein Name war 1907 in der Hotellerie nicht so bekannt, wie etwa der Name von César Ritz, als dieser in Paris sein Hotel Ritz eröffnete. Trotzdem nennt er das neue Haus stolz nach seinem Namen. Obwohl das Hotel Adlon ein Unikat geblieben ist und nur auf ein relativ kurzes erstes Leben zurückblicken kann, bildet heute der Name eine vielbesungene Legende.

Hotel AdlonDas Haus startet erfolgreich. Schnell wird es wieder gesellschaftlicher Mittelpunkt, wie das bereits das Palais Redern gewesen war. Die Geschäfte laufen auch während des ersten Weltkriegs weiter. Der Zusammenbruch des Kaiserreichs danach ist für Lorenz Adlon eine grosse Enttäuschung. 1921 stirbt der Hotelgründer bei einem Verkehrsunfall praktisch vor dem Haus, beim Brandenburger Tor.

Hotel Adlon, Goethe-Garten mit Pagoden-Brunnen



Louis Adlon (1874-1945)Nach dem Krieg sind die gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa andere. Entsprechend müssen sich die Grandhotels neu ausrichten. Der Sohn Louis Adlon (1874-1945) übernimmt die Hotelführung und passt das Haus dem neuen Zeitgeist an. Die Goldenen Zwanziger Jahre stehen vor der Tür. Man trifft sich im Adlon zum Tanztee. Diese Zwischenkriegszeit gehört zu den erfolgreichsten Jahren des Hauses.

Hotel Adlon, Tanztee



Thomas und Katia Mann vor dem Hotel Adlon, 1929Das Hotel Adlon kann in seinen Mauern viele bekannten Namen begrüssen. Der blaublütige Adel macht nach dem Krieg dem Geldadel Platz. Aber auch die Namen von Künstlern und Intellektuellen finden sich im Gästebuch. Im November 1929 steigt Thomas Mann mit seiner Frau Katia im Hotel Adlon ab. Er befindet sich auf dem Weg nach Stockholm, wo er am 10. Dezember mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wird.

Thomas Mann im Hotel Adlon, 1929



Charles Spencer Chaplin und Marlene Dietrich im Hotel Adlon, 1931Am 9. März 1931 kommt Charlie Chaplin am Bahnhof Friedrichstrasse an. Er muss sich durch eine grosse Menschenmenge zum Hotel Adlon durchkämpfen. Chaplin bleibt ein paar Tage in Berlin, wo er seinen neuen Film „City Lights“ vorstellt. Er besichtigt das Reichstagsgebäude. In der Halle des Hotel Adlon trifft er auf den neuen Film-Star Marlene Dietrich. Von Berlin aus reist Chaplin übrigens weiter nach Wien, wo er sich am 18. März im Hotel Imperial einquartiert. 

Charles Spencer Chaplin vor dem Reichstag, 1931



Hotel AdlonDank des Erfolgs fällt es Louis Adlon 1931 nicht schwer, eine Hypothek aufzunehmen, um seiner älteren Schwester, die in die Schweiz geheiratet hat, ihr Erbe auszuzahlen. Mit den neuen politischen Verhältnissen ab 1933 verschlechtert sich der Geschäftsgang des Hotel Adlon aber zusehends. Der neue Reichskanzler und seine Partei bleiben ihrem Haus, dem Hotel Kaiserhof, treu.

Hotel Adlon, SuiteSo muss sich Louis Adlon 1938 von dem Grundstück Wilhelmstrasse 70a, auf dem sich das ehemalige Hotel Reichshof befand, trennen. Die Reichsregierung erwirbt diese Immobilie mit einem Vertrag, der ganz auf ihrer Seite steht. Bereits 1922 heiratete Louis Adlon seine zweite Frau, die Deutsch-Amerikanerin Hedda Adlon (1889-1967), geborene Leythen. 1940 entschliessen sich die beiden, der NSDAP beizutreten.

Hotel AdlonDoch erst nach der Zerstörung des Kaiserhofes 1943 können sie geschäftlich von ihrem Parteibeitritt profitieren. Allerdings handelt es sich in dieser schweren Zeit um kleine Brötchen. Die Schlacht um Berlin steht vor der Tür. Das Schicksal des Hotels und seines Besitzers Louis Adlon scheinen eng aneinander geknüpft zu sein. Denn Louis stirbt in den letzten Kriegstagen unter nicht ganz geklärten Umständen, sein Hotel brennt ein paar Tage nach Kriegsende unter ebenfalls nicht ganz geklärten Umständen aus.

Auf dem Balkon des Hotel Adlon wird die Sowjetische Flagge gehisst, 1945



Hedda und Louis AdlonHedda Adlon setzt 1955 mit ihrer vielbeachteten Hotel-Adlon-Biografie den Grundstein zur Legende dieses Hauses am Pariser Platz. Das Buch erscheint bis heute in immer neuen Auflagen und bildet Vorlagen für Film, Funk und Fernsehen. Das Buch beschliesst sie mit dem Wunsch, dass ein zukünftiges Hotel Adlon nur dort gebaut werden darf, wo das alte Stand: Unter den Linden - im Herzen Berlins.

Kempinski Hotel Bristol, Gemälde dem Hotel durch Hedda Adlon geschenktObwohl das Grundstück nach dem Krieg enteignet wird, schliesst Hedda Adlon 1957 mit der Hotelbetriebs AG einen Vertrag über das Ankaufsrecht auf die Firma Adlon und das Grundstück. Die Hotelbetriebs AG, ab 1977 nennt sie sich Kempinski AG,  schnappte ja damals Lorenz Adlon das Nachbargrundstück Unter den Linden 2 vor der Nase weg. Ebenfalls in den 1950er Jahren schenkt Hedda Adlon dem Kempinski Hotel Bristol am Kurfürstendamm zwei Gemälde, die dort heute in der Gobelin Halle hängen.

Diese beiden Gemälde sind ein Geschenk von Frau Hedda Adlon an das Bristol Hotel Kempinski Berlin



HO-Hotel AdlonDoch bevor die Kempinski AG ein neues Haus mit altem Namen erstellen kann, erleben die Reste des alten Hauses und mit ihm der legendäre Namen ein zweites Leben: Bereits im August 1945 wird in einem nicht zerstörten Seitenflügel hinter den Ruinen der Häuser Wilhelmstrasse 70a und 70b ein reduzierter Hotelbetrieb mit sechzehn Zimmern und einem Restaurant wieder aufgenommen.

HO-Hotel AdlonEnde Jahr sind bereits vierzig Betten verfügbar. 1950 arbeiten 70 Angestellte für das Hotel Adlon. Ein Konferenzsaal und über 100 Betten stehen zur Verfügung. Im November 1945 werden im Hotel Adlon die ersten Schritte zur Gründung der Filmproduktionsfirma DEFA eingeleitet.  Bei seiner Rückkehr nach Deutschland 1948 wohnt Bertolt Brecht in dem Haus.

Hotel Adlon, nach dem Brand1964 erfolgt eine Renovation des Hotels. In den 1970er Jahren wird der Hotelbetrieb eingestellt. Bis zu seinem Abriss 1984 dient das Gebäude noch als Wohnheim für Hotelfach-Lehrlinge der DDR. Die Ruine des Hotel Adlon am Pariser Platz wird bereits 1950 abgetragen. 

Pariser Platz, 1950



Hotel Adlon KempinskiNach 1989 wird das Grundstück Eigentum der Stadt Berlin. Die Kempinski AG erwirbt es für die Kölner Fundus-Gruppe, die einen Immobilienfonds auflegt. Kempinski selbst will das Hotel betreiben, nicht besitzen. Für den Bau des neuen Adlon wird das Architekturbüro Patzschke, Klotz & Partner engagiert. Im Gegensatz zum ersten Adlon steht auch das Nachbargrundstück Unter den Linden, Ecke Wilhelmstrasse zur Verfügung. So können die Architekten aus dem Vollen schöpfen.

Hotel Adlon Kempinski, FestsaalSie orientieren sich zwar am alten Vorbild, schaffen aber eine Neuschöpfung. Diese wirkt auf dem viel grösseren Grundstück klotzartig-protzig im Gegensatz zum eleganten Vorgängerbau. So gilt dieser Neubau als sehr umstritten. Auch die Innenarchitektur folgt traditionellen Mustern. Als einzige Reminiszenz an das alte Haus wird die Marmortreppe nachgebildet und in der Lobby eine Kopie des Pagoden-Brunnens aus dem früheren Goethe-Garten aufgestellt. Im Sommer 1997 kann das Hotel Adlon eröffnet werden.   

Hotel Adlon Kempinski, Lorenz Adlon Esszimmer



Restaurants: Lorenz Adlon Esszimmer - 2 Michelin-Sterne, Restaurant Quarré - Brasserie, Lobby Lounge & Bar; Zimmer: 382 Zimmer & Suiten; Adresse: Hotel Adlon Kempinski, Unter den Linden 77, 10117 Berlin /  http://www.kempinski.com/de/berlin/hotel-adlon/welcome/


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